800 Jahre Todestag Franz von Assisi

Franz von Assisi (Foto: Redaktion Webseite)
Der hl. Franz von Assisi starb vor 800 Jahren - und er ist immer noch aktuell.
Was kann der „Poverello“ von Assisi den Menschen von heute noch sagen? Laut Krzysztof Nykiel (Regent der Pönitentiarie) ist der hl. Franziskus ein Korrektiv zum modernen Konsumismus. In einer Welt, in der das Virtuelle oft über der Realität steht und Beziehungen verflachen, lehre Franziskus das „Sein“ über das „Haben“.

„Seine Freiheit entsprang der Loslösung von materiellen Gütern“, so Nykiel. Dies sei eine hochaktuelle Einladung zu massvollem Handeln und verantwortungsvollem Umgang mit Ressourcen. Zudem sei der Frieden, den Franziskus verkündete, kein Ergebnis von interessengeleiteten Kompromissen, sondern entspringe einem bekehrten Herzen.

Mit der Veröffentlichung des offiziellen Dekrets am 16.01.2026 hat die Apostolische Pönitentiarie den Weg für die vollkommenen Ablässe im besonderen Franziskus-Jahr geebnet. Das Jubiläum, das Papst Leo XIV. rund um den 800. Todestag des Heiligen aus Assisi ausgerufen hat, dauert vom 10. Januar 2026 bis zum 10. Januar 2027. Der Regent der Pönitentiarie mahnt jedoch: Der Ablass sei kein „Gnadenautomat“.

In der Lehre der Kirche wird unterschieden zwischen der Schuld, die man durch eine Sünde auf sich lädt, und der Strafe, die der Sünder dafür im Fegefeuer erleiden muss. Bei der Beichte kann der Beichtvater den Beichtenden von seiner Schuld freisprechen, die Sündenstrafe wird durch einen Ablass erlassen. Ablässe können auch zugunsten von Verstorbenen erlangt werden. «Der Ablass ist in erster Linie eine Begegnung mit Gott», so der Grosspönitentiar. Er befreit das Herz von der Last der Sündenstrafen, damit der Gläubige in voller Freiheit Wiedergutmachung leisten kann.

Im Ablassdekret des Vatikans wird betont, dass sich die heutige Zeit kaum von der Zeit unterscheidet, in der Franziskus lebte. Gerade deshalb sei seine Lehren heute noch gültig und verständlich. «Wenn die christliche Nächstenliebe schwindet, breitet sich Unwissenheit wie ein Laster aus, und wer die Eintracht zwischen den Völkern preist, tut dies eher aus Egoismus als aus aufrichtigem christlichem Geist; wenn das Virtuelle die Oberhand über das Reale gewinnt, gehören Streitigkeiten und soziale Gewalt zum Alltag, und der Frieden wird von Tag zu Tag unsicherer und entfernter», so das Dekret.
Alle Mitglieder der franziskanischen Gemeinschaften und alle Franziskus-Pilger können in diesem Jahr einen besonderen Ablass erlangen. Die Apostolische Pönitentiarie teilte die Bedingungen mit, unter denen im Jubiläumsjahr anlässlich des 800. Todestags des heiligen Franz von Assisi der Ablass gewonnen werden kann.

Ein Ablass kann wie folgt gewonnen werden:

1. Die sakramentale Beichte
Innerhalb von 20 Tagen, zuvor oder danach (eine Beichte genügt zur Gewinnung mehrerer Ablässe). Entscheidend sind weniger die Anzahl Tage (es werden auch 8 Tage genannt), als dass man sich im Stand der Gnade befindet.

Die drei weiteren Bedingungen können auch einige Tage vor oder nach dem vorgeschriebenen Werk erfüllt werden. Es ist jedoch angebracht, sie auf denselben Tag wie das Werk zu legen.

2. Empfang der heiligen Kommunion
Gültig für 1 Ablass.

3. Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters
z.B. «Vater unser, Ave Maria und Ehre sei», gültig für 1 Ablass. Die Meinungen des Heiligen Vaters sind von der Kirche festgelegt. Es handelt sich um folgende:

  • die Überwindung der Irrlehren
  • die Ausbreitung des Glaubens
  • die Bekehrung der Sünder
  • der Friede zwischen den christlichen Völkern.

4. Die entschlossene Abkehr von jeder Sünde
Der feste Vorsatz, in allen Dingen restlos nach dem Willen Gottes zu leben; die innere Disposition des Freiseins von jeglicher Anhänglichkeit an die Sünde, auch die lässliche und damit die Reue des Herzens.

Zusätzlich zu den vier Voraussetzungen ist gemäss dem Dekret ein vorgegebenes geistliches Werk erforderlich:

  • Wallfahrt nach Assisi
  • der Besuch einer dem hl. Franz von Assisi geweihten Kirche, verbunden mit einer würdigen Zeit des Gebets, z.B. Glaubensbekenntnis, Vaterunser, franziskanisches Gebet
  • die Teilnahme an einer liturgischen Feier, Predigt oder Andacht zum Jubiläum

Die St.-Franziskus-Kirche in Wetzikon ist dem hl. Franz von Assisi geweiht.

Am Sonntag, 4. Oktober 2026 feiert die Pfarrei in der Sankt-Franziskus-Kirche festlich das Jubiläum zum 800. Todestag des hl. Franz von Assisi.

Zum hl. Franz von Assisi:
Franziskus von Assisi wird als Patron unter anderem der Armen, Blinden, Kaufleute, Lahmen, Schneider, Strafgefangenen, Sozialarbeiter, Schiffbrüchigen und Weber verehrt. Papst Johannes Paul II. erklärte ihn 1980 zum Patron des Umweltschutzes und der Ökologie.
Franziskus führte in der Jugend ein ausschweifendes Leben. 1208 vernahm Franziskus in der Kirche San Damiano eine Stimme, die ihn aufforderte, in die Welt zu gehen, allem Besitz zu entsagen und Gutes zu tun. Fortan führte er ein mönchisches Büsserleben und zog als Wanderprediger durch das Land. Zwischen 1209 und 1220 gründete er den Bettelorden der Franziskaner. Ausser diesem «Ersten Orden» gründete Franziskus zwei weitere: die Klarissen als weiblichen Zweig und den «Dritten Orden» für Laien. Im 16. Jahrhundert entstanden aus Reformen Minoriten und Kapuziner.
Heute umfasst die franziskanische Familie weltweit rund 650 000 Mitglieder in Laienbewegungen, Bruderschaften und klösterlichen Gemeinschaften.